Die Hermes Baby Rooftop Bar
Nach langer Zeit ein Traum. Ich lebe in einem Ausland. Die Sonne scheint oft und die Menschen auf den Straßen tragen Gewänder. In meinem Zimmer auf dem Dach eines über einen Fluß gebauten Apartmenthauses gibt es keine Heizung, aber fließendes Wasser. Ich lebe dort mit dem einzigen Ziel, etwas zu schreiben, das mir beweist, nicht völlig wertlos zu sein. Im Hause gibt noch andere Künstler, Musiker und Schriftsteller vorwiegend. Patti Smith, Thomas Kling, Lucia Berlin, mehr. Statt zu schreiben, empfange ich ausschließlich die anderen in meiner Wohnung und serviere ihnen starke Getränke. Patti kommt mit Jean Genet, um ihm meine Wohnung zu zeigen, sie war tags zuvor an einem Royal Hawaiian festgeklebt und hatte gedroht, jeden Tag wiederzukommen. Sie reden nicht und nippen andächtig an ihrem Drink. Jean steckt ab und zu seinen Zeigefinger in die gelbe Flüssigkeit und zeichnet damit ein feuchtes Kreuz auf Pattis Stirn. Einmal sitzt Thomas Kling mit seinem Wespennest auf dem Kopf an meinem Küchentisch und drückt seine Zunge in warmen Raki. Das Nest ist feucht und verharzt, er nimmt es nicht ab, seit er ins Land gekommen ist und ich kann ihn deswegen nicht ansehen. Berlin trinkt Bourbon und arbeitet die Seiten durch, die sie am Morgen geschrieben hat. Sie liegt auf meinem Bett, die Schulter an der Wand, die Beine unter ihrem Rock übereinander geschlagen, so dass ihre Knie aussehen wie ein mäandernder Rochen. Der Traum ist eine Schleife. An jedem Morgen setze ich mich an die Hermes Baby, die ich mit ins Land geschleppt habe, und warte auf die Bilder. Bis es klopft.