International Anthems
Wie mein musikalischer Horizont 2025 von Labels wie International Anthem, Habibi Records und Alter.Cat bereichert wurde.
Als ich in meiner Jugend vor allem Hip Hop hörte, war es für mich ganz natürlich, die Releases ihren Labels zuzuordnen. Über die Jahre ist mir dieser Überblick (oder das Interesse) verloren gegangen. Mit ein paar Ausnahmen wie SUB POP, die mir vor allem wieder durch Father John Misty unterkamen, nachdem ich sie in den Nullerjahren nach den Grunge 90s aus den Augen verloren hatte. Dieses Jahr habe ich vor allem drei Labels auf dem Plattenteller gehabt. Habibi Records und da im Speziellen die Soundtrackalben von Ahmed Malek, Roger Fakhr und seine beiden Young‘esken Siebzigerjahre Alben liefen in meinem Nachbarzimmer auf Großrotation.
Bei Black Plastic Records in Dortmund stieß ich im Frühjahr auf das wunderbar progressive Bossa Nova Album Werther des gleichnamigen Künstlers, das lange verschollen galt und eine der tollen Wiederentdeckungen des kleinen alter.cat Labels aus Berlin ist, mit dessen Gründer Sergi Roig ich bald noch ein Interview für den Newsletter führen werde. Weitere Lieblinge dieses Labels waren das wilde Jazzalbum CORAJE Buenos Aires von Jorge Lopez Ruiz, das wunderbar absurde Didi von Fernando Gelbard und das traurigschöne Blues para un Cosmonauta von Horacio „Chivo“ Borraro. Alles keine einfachen Hörerlebnisse, doch umso bereichernder.
azz höre ich schon seit der Abizeit. Durch den Film Finding Forrester bin ich früh zu Miles Davis gekommen, von dem ich jedoch nur die ruhigeren Sachen wie das Kind of Blue Album mochte. Ich habe Jazz fast zwei Jahrzehnte ehrlich gesagt eher wie Ambient behandelt, als Geräuschkulisse zum Schreiben, Lesen und Leben. Anstrengendere Passagen empfand ich automatisch als störend, wirkliche Jazzkenner werfen die Hände über den Kopf, wenn sie mich so schreiben lesen. Doch ich bin nur ehrlich. Dieses Jahr war das anders. In der Toskana haben wir durch Zufall ein Konzert besucht von Mayas liebstem Jazzpianisten Kenny Barron. Der Abend war magisch, sein Drummer Jonathan Blake spielte mit seiner eigenen Band dann ein paar Monate Später im Domicil in Dortmund, unserer liebsten Jazzbar hier in der Region (die Cocktails sind wunderbar). Auf diese Art des Spielens musste ich mich jedoch erst einlassen. Das Blake Konzert gehört zu den besten, die ich je besucht habe.
Auf der Suche nach weiterem zeitgenössischen Jazz stolperte ich dann im Herbst über das Chicago Underground Duo, bestehend aus Chad Taylor und Rob Mazurek. Und ich tat, was ich seit MP3 Zeiten nicht mehr gemacht habe: ein Album wegen des Covers kaufen.
Das Cover des Albums Hyperglyph hat im Sommer sehr zum Kauf des Vinyls beigetragen. Als ich überlegt habe, welche Cover aus diesem Jahr ich probieren möchte zu zeichnen, fiel die Wahl recht schnell.
Das Label, auf dem das Album erschien, heißt International Anthem, und von diesem Label kommen einige meiner Lieblingsalben des Jahres. Auch Mazureks Alternate Moon Cycles (wunderbares Album zum Lesen und Schreiben) erschienen dort und eines meiner Lieblingsalben aus der Coronazeit, Alabaster DePlumes To Cy & Lee: Instrumentals Vol. 1. Richtig entdeckt habe ich das Label aber erst durch das kleine Magazin, das ich mit den Moon Cycles bestellt habe und das ich Euch nur sehr empfehlen kann. In dem Magazin sprechen alle möglichen Leute aus dem Umfeld des Labels, so zum Beispiel auch die Praktikantin, die an den Recordings from the Åland Islands von Jeremiah Chiu und Marta Sofia Honer beteiligt war. Das Magazin ist voller kleiner liebevoller Kolumnen wie dieser, die mir eines der schönsten Hörerlebnisse des Jahres ermöglicht hat.